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Mehr Windstrom aus der Mark

Der Windenergieausbau in Brandenburg hat 2020 wieder etwas zugelegt – um die Klimaschutzziele zu erreichen, ist jedoch ein höheres Tempo als zuletzt erforderlich.

Der Ausbau der Windenergie in Brandenburg ist eine Erfolgsgeschichte, das Land nimmt bundesweit einen Spitzenplatz ein. Bild: Adobe Stock

Im vergangenen Jahr wurden in Brandenburg Windturbinen mit 238 Megawatt (MW) Gesamtleistung neu errichtet. Damit belegte die Mark einen Spitzenplatz unter den Bundesländern. Nur in Nordrhein-Westfalen wurde 2020 mit 317 MW mehr zugebaut; den mit 167 MW drittgrößten Zuwachs verzeichnete Niedersachsen. Insgesamt war 2020 jedoch das zweitschwächste Zubaujahr seit Einführung des EEG im Jahr 2000: Bundesweit wurden nur 1.431 MW Windkraftleistung an Land neu errichtet. Das geht aus der aktuellen Erhebung der Deutschen WindGuard im Auftrag des Bundesverbandes Windenergie (BWE) und des Anlagenbauverbandes VDMA Power Systems hervor.

Brandenburg kam so Ende letzten Jahres auf einen Anlagenbestand von insgesamt 3.900 Windturbinen mit 7.478 MW Gesamtleistung. Damit steht das Land bundesweit gesehen weit vorne, doch das Ausbautempo muss noch steigen. Das fordern einhellig sowohl BWE als auch Stadtwerke im Land.

Um das brandenburgische Ausbauziel zu erreichen, müssten jährlich netto 300 MW zugebaut werden, rechnet Jan Hinrich Glahr, Vorsitzender des BWE-Landesverbandes Berlin Brandenburg, vor. Das Ausbauvolumen des letzten Jahres reiche nicht aus.
Die Landesregierung in Potsdam hatte sich 2019 in ihrem Koalitionsvertrag zu einem Ausbauziel von mindestens 10.500 MW installierter Leistung bis 2030 bekannt.

„Deutlich ambitioniertere Anstrengungen“ als zuletzt hält auch Harald Jahnke, Landesvorsitzender des Stadtwerkeverbandes VKU für Berlin und Brandenburg sowie Geschäftsführer der Stadtwerke Prenzlau, für erforderlich.

Wieder mehr neue Windkraftanlagen zu erwarten

Für das laufende Jahr erwartet der VKU „einen leichten Anstieg der Zubauzahlen“. Der BWE will sich indes noch nicht auf eine konkrete Prognose festlegen, was für 2021 an Windenergie-Zubau zu erwarten sei. Soviel wie im letzten Jahr soll es aber schon wieder werden.
Zu berücksichtigen sei dabei auch, dass in den kommenden Jahren immer mehr Altanlagen vom Netz gehen werden, was unter dem Strich den Zubau verringere, so ein Verbandssprecher. Schon 2020 hatte der Rückbau von Altanlagen den Zubau auf netto 205 MW reduziert.

Die Hindernisse, die dem Ausbau der Windenergie in Brandenburg entgegenstehen, sind allseits bekannt und unterschieden sich nicht von denen in anderen Gebieten Deutschlands. „Es fehlte schlicht an Genehmigungen für neue Windenergieanlagen, die Genehmigungsverfahren dauern zu lange und viele Projekte werden noch immer beklagt“, so der BWE-Sprecher. Kläger seien zumeist Bürgerinitiativen, die angeben, im Interesse des Naturschutzes zu handeln.

Beteiligung an der Wertschöpfung erhöht Akzeptanz

Positiv bewerten VKU und BWE die Ende letzten Jahres mit dem EEG 2021 neu einführte Möglichkeit, Kommunen finanziell an neuen Windkraftanlagen zu beteiligen. Auch der Städtetag hatte im Vorfeld der EEG-Novellierung eine solche Möglichkeit gefordert.
„Wenn die umliegenden Kommunen an der Wertschöpfung beteiligt werden, steigt die Chance, dass die Ansiedlung von Windparks vor Ort mehrheitsfähig wird“, sagt VKU-Landeschef Jahnke. „Finanzielle Beteiligung ist mit Sicherheit ein Baustein für mehr Akzeptanz“, ist man auch beim BWE überzeugt.

Beide Verbände beklagen indes, dass sich die Bundesregierung dabei nicht zu einer verbindlichen Regelung durchringen konnte und es im EEG 2021 bei einer Kann-Bestimmung belassen hat.

Der BWE warnt auch vor Doppelbelastungen. Die könnten sich ergeben, weil Brandenburg auf Landesebene bereits 2019 einen Wind-Euro für Kommunen eingeführt hatte. Durch eine mögliche Doppelbelastung der Windenergie-Unternehmen könne es zu Wettbewerbsverzerrungen im Rahmen der bundesweiten Ausschreibungen neuer Windkraftkapazitäten kommen, befürchtet der Verband. Ein Selbstläufer wird die Windkraft also auch künftig nicht sein.

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