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Gasnetze für Wasserstoff nutzen?

Über die Zukunft kommunaler Gasnetze wird intensiv diskutiert, seit das Bundeswirtschaftsministerium im März seine Überlegungen für den Abschied vom Erdgas vorgelegt hat.

Noch werden fast die Hälfte aller Wohnungen in Deutschland mit Erdgas aus Gasverteilnetzen vorsorgt – über die Zukunft der Infrastruktur wird dennoch schon diskutiert.<br />Bild: NBB

Was passiert mit Gasverteilnetzen in Kommunen, wenn in einigen Jahren kein fossiles Erdgas mehr genutzt werden soll, weil Deutschland bis 2045 klimaneutral sein will? Wird es in größerem Umfang zu Stilllegungen kommen oder werden Netze künftig für Wasserstoff oder Biogas gebraucht? Mit dem „Green Paper Transformation Gas-/Wasserstoff-Verteilernetze“ hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) Ende März die Diskussion eröffnet und eine Reihe von Fragen in den Raum gestellt.

Dem Ministerium geht es dabei um einen geordneten Abschied vom Erdgas, um verlässliche Regeln für Stilllegung oder Weiterbetrieb von Gasverteilnetzen sowie für den künftigen Umgang mit Gasnetzkonzessionen, Investitions-, Anschluss- und Versorgungspflichten. Ziel sei, „die kontinuierliche, bezahlbare Energieversorgung der Endverbraucher zu sichern“ und „zu gewährleisten, dass die Verteilnetzbetreiber und Verbraucher nicht überfordert und die Interessen der Kommunen berücksichtigt werden“, heißt es im BMWK-Papier.

Ordnungsrahmen für den Abschied vom Erdgas

Für die Transformation der Gasverteilnetze „bedarf es eines geänderten Ordnungsrahmens“, konstatiert das Ministerium. Die Aufgabe ist anspruchsvoll: Aus den weit verzweigten Gasnetzen werden heute neben zahlreichen Industrie- und Gewerbebetrieben knapp 50 Prozent aller Wohnungen in Deutschland mit Erdgas versorgt; spätestens 2045 sollen Verbraucher kein Erdgas mehr nutzen.

Weil der künftige Umgang mit Gasnetzen für alle Beteiligten Fragen aufwirft, wurde das Papier von Energieversorgern und Netzbetreibern, von Industrie- und Verbraucherverbänden wie auch von kommunalen Spitzenverbänden (Städte- und Landkreistag, Städte- und Gemeindebund) positiv aufgenommen. „Der BDEW begrüßt, dass das BMWK das Erfordernis für die Weiterentwicklung des Rechtsrahmens für Gas- und Wasserstoffverteilernetze anerkennt“, heißt es in der Stellungnahme des Energiebranchenverbandes.

In der Energiewirtschaft und in Kommunen, die als Konzessionsgeber und häufig auch Eigentümer von Gasnetzen sowie als Verantwortliche für Wärmeplanung gleich mehrfach von derlei Überlegungen betroffen sind, hat das Green Paper aber auch für Verunsicherung gesorgt.

Erste Stellungnahmen deuten auf unterschiedliche Einschätzungen hin; beispielsweise zur Gewichtung der Alternativen Stilllegung oder Weiterbetrieb. Während das Ministerium davon ausgeht, dass Gasverteilnetze „am Ende der Transformation aller Voraussicht nach in deutlich geringerem Umfang benötigt werden“, setzen Energiewirtschaft, Netzbetreiber und Kommunen stärker auf die weitere Nutzung.

Sie kritisieren, dass der Weiterbetrieb im BMWK-Papier nicht adäquat abgebildet werde und dass das Ministerium zu stark auf Stilllegung setze. „Die Transformation des Gasnetzes umfasst mehr als eine Fokussierung auf Stilllegungen und Rückbauverpflichtungen“, weist auch die GASAG-Gruppe, zu der die EMB zählt, auf dieses Defizit hin. Um zu vertretbaren Kosten klimaneutral zu werden, müsse die Nutzung der Gasnetze stärker in den Blick genommen werden.

Unterschiedlich bewertet wird auch die Rolle von Wasserstoff im künftigen Energiesystem. Während das Ministerium den Einsatz auf Industrie und Verkehr beschränken will, wollen Energiedienstleister Wasserstoff auch in der Wärmeversorgung nutzen.

Netze eignen sich auch für Wasserstoff und Biogas

Mehr Offenheit für Wasserstoff als „Option zur Wärmeversorgung“ mahnt deshalb der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) für die von ihm vertretenen Stadtwerke und Energieversorgungsunternehmen an. Wasserstoff werde für die kommunale Wärmeplanung eine relevante Rolle spielen. Gasverteilnetze sollten deshalb dafür ebenso wie für Biogas offengehalten werden.

Gasverteilnetze könnten eine entscheidende Rolle beim Aufbau eines Wasserstoffnetzes spielen, merken auch die kommunalen Spitzenverbände an. Eine vorschnelle Stilllegung sei deshalb zu vermeiden. Entscheidungen über die künftige Rolle von Gasverteilnetzen sollten in „Abstimmung mit den lokalen Akteuren getroffen“ werden, eine „enge Verzahnung mit der kommunalen Wärmeplanung“ sei erforderlich.

Nach Erkenntnissen des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW) eignen sich Gasverteilnetze auch für Wasserstoff. Die Rohrleitungen in den deutschen Verteilnetzen bestünden zu über 97 Prozent aus wasserstofftauglichen Materialien wie Stahl und Kunststoff, so der technische Energieverband DVGW. Auch Armaturen und Einbauteile stellten keine grundlegenden Hürden dar.

Energiewirtschaft und Kommunen widersprechen entschieden den Forderungen nach einem Rückbau, also einer Entfernung stillgelegter Gasleitungen aus dem Untergrund. „Ein Rückbau von Verteilnetzen ist nach heutigen Kenntnissen weder erforderlich noch wirtschaftlich sinnvoll“, stellt dazu der DVGW klar.

Im BMWK werden die Stellungnahmen ausgewertet; Gespräche mit den Beteiligten sollen folgen. Am Ende des Prozesses sollen verbindliche Regelungen stehen.