EMB Energie Mark Brandenburg GmbH

Wer hält das Dorf künftig in Bewegung?

Mobilität im Ländlichen Raum war das Thema beim 9. Energiedialog der EMB. Im Interview fasst Moritz Kirchesch, Deutsche Vernetzungsstelle ländliche Räume (DVS), die wichtigsten Erkenntnisse zusammen.

Herr Kirchesch, Sie haben in Ihrem Vortrag beim EMB Energiedialog die Bürgermeister mit einem Bild provoziert: Eine einsame Bushaltestelle jwd" mit den Worten: Wer das Land liebt, kommt nicht mehr davon los. Zumindest nicht mit dem Bus. Ist die Lage auf dem Land so ernst?

  • Natürlich ist das überspitzt dargestellt. Aber es gibt in der Tat Ecken sowohl in West- als auch in Ostdeutschland, in denen die demografische Entwicklung sehr deutliche Spuren hinterlassen hat und noch hinterlässt. Gerade hier gilt es Wege zu finden, zumindest die Daseinsvorsorge sicherzustellen.

Eine Ihrer Schlussfolgerung heißt: Zur Sicherung und Anpassung der Daseinsvorsorge brauche es vor allem moderne Infrastrukturen und gewisse finanzielle Spielräume der Kommunen. Was meinen Sie mit den „gewissen finanziellen Spielräumen”?

  • Häufig heißt es in der Diskussion, es sei kein Geld da, um bestimmte Dinge umzusetzen. Aus meiner Sicht ist dies ein schwaches Argument, um sich aus der Verantwortung zu ziehen und die Diskussion zu beenden. Aber gerade wenn die Ressourcen knapp sind, ist es notwendig umzudenken, zum Beispiel auch unkonventionelle Lösungen zu finden und Prioritäten zu setzen. In der Regel funktioniert dies in einem offenen Diskurs am besten. Hier ist sowohl die Politik als auch die gesamte Gemeinschaft gefragt.
Moritz Kirchesch, Deutsche Vernetzungsstelle
ländliche Räume (DVS)

Das ÖPNV-Angebot wird vielerorts immer dünner und ist stark auf den Schülerverkehr orientiert. Eltern, Freunde, Nachbarn springen ein, wenn jemand zum Arzt, zum Einkauf oder ins Rathaus muss – so wird das Dorf „in Bewegung“ gehalten. Ist das die Lösung für die Zukunft?

  • Zukunft? Aus unserer Erfahrung ist dies in der Regel die Lösung der Gegenwart, die auch schon in der Vergangenheit praktiziert wurde. In einer alternden Bevölkerung und rückläufigen Einwohnerzahlen ist dies aus meiner Sicht keine langfristige oder auch nachhaltige Lösung. Wer soll denn fahren, wenn keiner mehr fahren kann?

Die DVS hat ein Planspiel Mobilität entwickelt. Zum Planen oder zum Spielen?

  • Die Idee hinter dem Planspiel war es, auf der einen Seite Ideen zu entwickeln, ein Verständnis für das Thema und ein Verstehen der Abläufe und Akteure zu bekommen. Ziel des Planspiels ist es, regionale Entwicklungsprozesse durchzuspielen und so den Umgang mit komplexen Systemen exemplarisch zu üben – ganz ohne Risiko.

Wie kommt ein Bürgermeister an dieses Planspiel?

  • Informationen zum Planspiel finden Sie auf unserer Website unter www.netzwerk-laendlicher-raum.de/planspiel. Hier stehen die Dokumente zum Download bereit. Sie finden dort auch die Kontaktdaten – gern können Sie mich bei Fragen jederzeit anrufen oder mich per E-Mail kontaktieren.

Gefragt sind vor allem auch unkonventionelle Lösungen. Sie haben von einem „Mitfahrsystem“ in Konstanz und einem „Dorfauto“ in Hübenthal gesprochen. Was hat es damit auf sich?

  • Das sind zwei Beispiele, in denen Bürgerinnen und Bürger selbst aktiv geworden sind und gut funktionierende Lösungen für ihr jeweiliges „Mobilitätsproblem“ entwickelt und umgesetzt haben. Interessenten kann ich gern weitere Infos dazu schicken oder Ansprechpartner dort benennen.