EMB Energie Mark Brandenburg GmbH

EMB-Infodienst 4-2018

CO2-Marktentwicklung

Die Volatilität am CO2-Markt ist weiterhin hoch, der rasante Preisanstieg scheint aber mit dem Zehnjahreshoch vom 10. September 2018 (25,76 Euro/t) zumindest vorerst gestoppt. Am 1. November 2018 schloss der Preis bei 15,62 Euro/t, ein Schlusskurs unter 15 Euro/t wurde zuletzt im Juni 2018 erreicht.

Zeit, sich die Frage zu stellen, wer die dahinter liegenden Käufe getätigt hat. Waren es Vertreter aus Industrie oder Energie-Branche, so ist wohl davon auszugehen, dass die EUA nicht (spekulativ) verkauft werden. Bei Käufern auf Seiten der Finanzinvestoren steht die Frage im Raum, ob die Käufe eine langfristige Investition oder eine kurz- bis mittelfristige Spekulation darstellen. In letzterem Fall könnte ein beginnender Preisverfall weitere starke Verkäufe nach sich ziehen und somit einen Preissturz, wie er in der Vergangenheit im Rahmen der beiden Wirtschafts- und Finanzkrisen stattgefunden hat. Dass es in den vergangenen Monaten bereits zu Preissenkungen von mehreren Euros innerhalb weniger Tage gekommen ist, sich der Preis aber immer wieder erholt hat, deutet darauf hin, dass der Markt stabil ist. Die Frage wäre dann, ob es mit der einsetzenden Marktstabilitätsreserve 2019 zu weiteren Preissteigerungen kommt oder ob das akkurate Preis-Niveau für die kommenden Jahre bereits erreicht ist. Der Großteil der Analysten geht von steigenden Preisen zumindest bis zur Mitte des kommenden Jahrzehnts aus (siehe hierzu auch unseren Artikel im vergangenen Newsletter).

Der EUA-Schlusskurs (Liefertermin Dezember 2018) am 12. Dezember 2018 lag bei 21,47 Euro/t. Der vergleichbare Schlusskurs für CER bei 0,26 Euro/t.
 
Quellen: Intercontinental Exchange, FutureCamp
 

EU-ETS 2021-2030: Zuteilungsregeln

Die Ausgestaltung des anstehenden Verfahrens zur Beantragung einer kostenfreien Zuteilung für die vierte Handelsperiode konkretisiert sich zunehmend. Im Oktober hat die EU einen Entwurf der Free Allocation Rules (FAR) zur Öffentlichkeitsbeteiligung veröffentlicht. Wie bereits im letzten Newsletter beschrieben, wird besonderes Augenmerk auf die Beschreibung der Methoden zur Erfassung der zuteilungsrelevanten Aktivitätsraten gelegt. Das bedeutet beispielsweise, dass bei Anlagen, bei denen der Wärme-Benchmark zur Anwendung kommt, Informationen zu den relevanten Messungen erforderlich sind. Sofern es sich hierbei um geeichte Messungen handelt oder Messgeräte, die mit der europäischen Messgeräterichtlinie konform sind, werden diese als Messungen mit höchster Genauigkeit angesehen. In allen anderen Fällen sind Begründungen erforderlich, wie beispielsweise ein Nachweis unverhältnismäßig hoher Kosten oder technischer nicht-Machbarkeit. Bzgl. des Zeitplans wird in den FAR weiterhin Ende Mai 2019 als Stichtag zur Abgabe der Anträge bei der Behörde genannt. Den Mitgliedsstaaten wird aber die Option eingeräumt einen Monat früher oder später als Frist festzulegen, so dass eine Abgabefrist Ende Juni 2019 in Deutschland ebenfalls möglich ist.
 
Quellen: Entwurf Free Allocation Rules vom 26. Oktober 2018, FutureCamp
 

EU-ETS 2021-2030: Überarbeitete Carbon-Leakage-Liste

Nach Abschluss der Second Level Assessments liegt mittlerweile ein überarbeiteter Entwurf der Carbon-Leakage-Liste vor.
 
Im ersten Entwurf der Liste vom Mai 2018 waren zunächst diejenigen Sektoren aufgeführt, die den gemäß Richtlinie erforderlichen Schwellenwert bereits eindeutig überschritten hatten. Daneben gab es jedoch eine Reihe Sektoren und Teilsektoren, die auf Antrag über eine Bewertung der zweiten Stufe (Second Level Assessment) noch Chancen hatten, auf die Liste zu kommen. Im mit Stand Oktober 2018 überarbeiteten Entwurf stehen die Ergebnisse für diese Sektoren fest. Beispielsweise konnte für den Sektor Ziegelherstellung (NACE 2332) der Nachweis erbracht werden, genauso wie für die Sektoren Gewinnung von Salz (NACE 0893) und Herstellung von pharmazeutischen Grundstoffen (NACE 2110). Auf Produktebene konnte der Nachweis unter anderem für eisenhaltige Freiformschmiedestücke (PRODCOM 25501134) erbracht werden sowie für verarbeitete und getrocknete Kartoffeln (PRODCOM 10311130, 10311300).
 
Erfolglos blieb die Nachweisführung hingegen für die Sektoren Braunkohlenbergbau (NACE 0520) sowie für verschiedene Kakaoprodukte (PRODCOM 108211-108213).
 
Auch der Versuch, nachträglich noch einzelne Sektoren in das Verfahren des Second Level Assessment einzubringen schlug fehl, wie beispielsweise für den Sektor Leichtmetallguss (NACE 2453).
 
Die endgültige Annahme der Liste steht noch aus und wird bis Ende 2018 erwartet.
 
Quellen: Entwurf Carbon-Leakage-Liste vom Oktober 2018, FutureCamp
 

EU-ETS 2021-2030: Entwurf Monitoring-Verordnung (MVO)

Ende Oktober 2018 wurde im Zuge einer Öffentlichkeitsbeteiligung auch ein Entwurf der revidierten Monitoring-Verordnung veröffentlicht. Dieser enthält einige Neuerungen zum Thema Weiterleitung von Treibhausgasen. Das Thema N2O-Weiterleitung wird in einem neuen Artikel adressiert. Bei der Weiterleitung von CO2 konnten bislang ausschließlich CO2-Emissionen zum Abzug gebracht werden, die an Anlagen zur dauerhaften Speicherung geleitet wurden (CCS). Aufgrund eines kürzlich erfolgten Gerichtsurteils in der Kalk-Industrie dürfen zukünftig auch Mengen abgezogen werden, die zur Herstellung von gefälltem Calciumkarbonat eingesetzt werden.
 
Eine Präzisierung, die für einen größeren Anlagenkreis relevant werden dürfte, betrifft das Thema Überschreitung von Schwellenwerten. Bislang war in der MVO nicht geregelt, wie mit einmaligen Überschreitungen der Schwellen hinsichtlich der Kategorisierung der Anlage oder der Stoffströme umzugehen ist. In der Entwurfsfassung ist jetzt festgelegt, dass einmalige Überschreitungen nicht zwangsläufig einen Überarbeitungsbedarf des Überwachungsplans nach sich ziehen müssen, sofern der Betreiber glaubhaft darlegt, dass es sich um eine einmalige Überschreitung handelt.
 
Quellen: Entwurf MVO vom Oktober 2018, DEHSt, FutureCamp
  

Der Brexit und seine Auswirkungen auf das EU-ETS

Noch ist unklar, wie der Brexit genau aussehen und ebenso, wie es im Vereinigten Königreich (UK) mit dem Emissionshandel weitergehen wird. Grundsätzlich sind vier Möglichkeiten denkbar:
 
  1. Verbleib im EU-ETS
  2. UK-ETS mit Link zu EU-ETS
  3. UK-ETS ohne Link zu EU-ETS
  4. CO2-Steuer
Bei den Möglichkeiten 2-4 bleibt die Frage zu beantworten, wann die Trennung vom EU-ETS erfolgen wird. Im Falle eines „no-Deal-Brexit“, also ohne Vereinbarung oder zumindest Übergangsregelung, wären die britischen Anlagen zum 29. März 2019 nicht mehr EU-ETS-pflichtig. Für 2018 müssten dennoch EUA abgegeben werden, UK hat das Abgabedatum hierfür extra auf den 15. März 2019 vorverlegt. Bereits für 2019 ausgegebene, britische EUA würden markiert und im EU-ETS wertlos.
Überschüssige britische EUA aus den Vorjahren könnten bei einem Verkauf für ein zusätzliches EUA-Angebot sorgen; sie könnten aber auch teilweise auf unternehmenseigene Anlagen auf dem (verbliebenen) EU-Gebiet übertragen werden. Laut dem Marktanalyseunternehmen ICIS läge der relevante Überschuss bei 60 Mio. EUA. Dies könnte den Preis zunächst um 1-2 Euro/t drücken. Langfristig würde ein Ausscheiden des Netto-Anbieters UK den Preis aber eher stützen, so die ICIS-Analysten.
 
Quellen: EU-Kommission, ICIS, FutureCamp

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