EMB Energie Mark Brandenburg GmbH

EMB Infodienst 4 | 2017

CO2-Marktentwicklung

Hatten wir in unserem vergangenen Newsletter noch von Preisen um die 6 Euro/t berichtet, so notieren EUA seit 10. Oktober relativ konstant zwischen 7 und 8 Euro/t und erreichten am 19. Oktober mit 8,05 Euro/t im Intraday-Handel den höchsten Stand seit Januar 2016. Der EUA-Schlusskurs an der Börse ICE lag am 5. Dezember 2017 bei 7,43 Euro/t, entsprechende CER kosteten zur gleichen Zeit 0,17 Euro/t (alle Preisangaben mit Liefertermin Dezember 2017).

Die beschlossenen Regelungen zum möglichen Brexit auch im EU-Emissionshandel leisteten zunächst ihren Beitrag zu den steigenden Preisen, da eine Segmentierung zwischen britischen und sonstigen EUA befürchtet wurde, nach der Entscheidung am 30. November gaben die Preise leicht nach (siehe separaten Artikel in diesem Newsletter).

Die beschlossenen Maßnahmen zur Reform des europäischen Emissionshandels (siehe auch hier separaten Artikel in diesem Newsletter) sollten insbesondere langfristig zu weiterhin steigenden Preisen führen (siehe hierzu auch unseren Artikel im Newsletter des 3. Quartals), stützen aber sicherlich bereits jetzt die bullishe (=preissteigernde) Marktstimmung.

Preisstützend wirkt auch weiterhin die angespannte Situation im französischen Krenkraftwerksektor, wo einige Anlagen nach wie vor vom Netz sind.

Quellen: ICE, FutureCamp

 

Reform des Emissionshandels – Trilog-Einigung

Am 9. November 2017 konnten sich die Vertreter des Europäischen Parlaments, Rats und der Kommission auf die Ausgestaltung des Emissionshandelssystems ab 2021 einigen. Auch wenn eine formale Zustimmung noch aussteht, sind die Eckpunkte damit gesetzt.

Die für den Markt relevantesten Inhalte der Richtlinie sind:

  • Ab 2019 Überführung von 24% des jährlichen EUA-Überschusses (Überschuss = Menge, die das Volumen von 833 Mio. t in der CO2-Umlaufmenge übersteigt) in eine Marktstabilitätsreserve (MSR)
  • Ab 2023 Löschung der Zertifikate in der MSR, die über die im Vorjahr versteigerten Mengen hinausgehen
  • Option zur freiwilligen Stilllegung von Zertifikaten durch Mitgliedsstaaten im Falle von Kraftwerksstilllegungen

Die möglichen Auswirkungen auf die CO2-Preisentwicklung sind sowohl im ersten Artikel des aktuellen Newsletters als auch in unserem Artikel im Newsletter des 3. Quartals dargestellt.

Für die Betreiber sind folgende Punkte in Hinblick auf die Zuteilung kostenfreier Zertifikate von besonderem Interesse:

  • Ermittlung neuer Benchmarks auf Basis tatsächlicher Effizienzentwicklungen im jeweiligen Sektor. Hierbei gibt es eine Untergrenze für die Anpassungsrate von 0,2%/a und eine Obergrenze in Höhe von 1,6%/a.
  • Die Bewertung des Carbon-Leakage-Risikos erfolgt quantitativ anhand der Kriterien Emissionsintensität und Handelsintensität sowie in Sonderfällen auch qualitativ. Sofern ein Sektor nicht in der Liste aufgeführt ist, liegt der Faktor zur Berechnung der kostenfreien Zuteilung in den Jahren 2021-2025 bei 0,3. In den Folgejahren wird der Faktor linear auf 0 abgeschmolzen. Als Ausnahme werden Anlagen zur Fernwärmeversorgung genannt (Faktor bleibt bis 2030 bei 0,3).
  • Zur Vermeidung eines sektorübergreifenden Kürzungsfaktors sollen bis zu 3% der Zertifikate aus der Versteigerungsmenge für die kostenfreie Zuteilung zur Verfügung gestellt werden.
  • Kleinanlagen mit Emissionen von unter 2.500 t/a sowie Reserveanlagen, die weniger als 300 h pro Jahr in Betrieb sind, können vom Handel ausgenommen werden. Die Mitgliedsstaaten müssen die nationalen Zuteilungslisten bis spätestens 30. September 2019 an die Kommission übermitteln. Somit ist davon auszugehen, dass im Laufe des Jahres 2018, spätestens jedoch Anfang 2019 ein nationales Datenerhebungs- und danach ein Zuteilungsverfahren durchgeführt wird.
  •  

    Quellen: EU-Kommission, DEHSt, FutureCamp

     

    Klimakonferenz COP 23 von Bonn

    Im Zeitraum 6. - 17. November 2017 fand in Bonn die Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen statt. Mit 26.000 Teilnehmern war es die größte zwischenstaatliche Konferenz, die je in Deutschland stattgefunden hat. Das Treffen war ganz der Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens gewidmet. Die Hauptziele der Konferenz wurden erreicht: Es wurde vereinbart, wie der für 2018 terminierte Prozess zur Diskussion einer Anhebung nationaler Klimaziele gestaltet werden soll.

    Dabei handelt es sich gewissermaßen um einen Prototypen des Ambitionssteigerungsmechanismus, der 2023 erstmalig greift. Dann müssen die Ziele unter Paris alle fünf Jahre angehoben werden. Es wird damit gerechnet, dass der Prozess kommendes Jahr zu Zielverschärfungen führen wird. Daneben liegt nun auch ein erster Textentwurf für das konkrete Regelwerk vor, mit dem das Pariser Abkommen umgesetzt werden soll. Kommendes Jahr soll dieses beschlossen werden.

    In Bonn fiel auf, dass der Fokus der Konferenz klar auf Implementierung lag. Das Abkommen hat dazu geführt, dass in nahezu allen Staaten der Erde Prozesse zur Klimagesetzgebung und deren Umsetzung in Gang gekommen sind. Auch die USA können sich dem nicht entziehen: Während die Regierung den Austritt aus dem Abkommen angekündigt hat, bekannte sich eine breite Allianz aus Bundesstaaten, Städten und Wirtschaft in Bonn klar zum Abkommen.

    Quellen: UNFCCC, FutureCamp

     

    Brexit: Zunächst keine CO2-Marktstörungen zu erwarten

    Ab kommendem Jahr könnten britische EUA „markiert“ werden, da im Falle eines Ausscheidens von UK vor dem Ende der aktuellen Handelsperiode (2020) neu ausgegebene britische EUA nicht mehr zur Erfüllung der Abgabepflicht im EU-Emissionshandel zugelassen wären.

    Problematisch ist vor allem, dass die EUA für 2018 bereits am 28. Februar 2018 ausgegeben werden. Die Abgabefrist dafür endet aber eigentlich erst am 30. April 2019, also nach dem Brexit-Datum (29. März 2019). In einer Sitzung am 30. November 2017 wurde nun beschlossen, dass dieser Umstand dadurch geheilt werden soll, dass britische Anlagenbetreiber ihre Abgabepflicht für 2018 bereits bis zum 15. März 2019 erfüllen müssen und das britische Recht entsprechend noch 2017 angepasst wird. Die Zustimmung von EU und UK gilt als sicher.

    Somit könnten zumindest im Jahr 2018 britische EUA weiterhin normal gehandelt werden und die Verhandlungspartner haben zumindest ein Jahr Zeit gewonnen. Es waren bereits erhebliche Marktstörungen bis zu einem Zusammenbruch des Spot-Handels befürchtet worden.

    Ob UK darüber hinaus im EU-Emissionshandel verbleibt, ein eigenes Handelssystem aufsetzt oder ganz darauf verzichtet, darüber kann zum jetzigen Zeitpunkt nur spekuliert werden.

    Analysten vermuten bei einem britischen Ausstieg aus dem EU-Emissionshandel einen eher preisdämpfenden Einfluss, da UK relativ strenge Minderungsziele hat und dem Handelssystem somit eine Netto-Nachfrage entzogen würde.

    Quellen: EU-Kommission, FutureCamp

     

    CO2-Handel: Identifikationsnummer LEI ab 2018 erforderlich

    Der an den Finanzmärkten gängige Legal Entity Identifier (LEI) ist ab 2018 auch für die Teilnahme am CO2-Handel erforderlich. Diese Identifikationsnummer kann bereits jetzt beantragt werden.

    Offizielle Vergabestellen finden Sie hier oder über die gängigen Suchmaschinen. Die Erstbeantragung kostet ca. 80 bis 90 Euro, die jährliche Verlängerung liegt im Bereich von ca. 60 bis 70 Euro (je nach Vergabestelle unterschiedlich).

    Für die Beantragung sind verschiedene Dokumente erforderlich, wie z. B. ein aktueller Handelsregisterauszug oder Dokumente, die bei Konzernen die Konzernstruktur bestätigen. Die Beantragung kann auch per Vollmacht ausgelagert werden.

    Als Anlagenbetreiber im EU-Emissionshandel sind Sie zwar von der Aufsichtspflicht befreit, nicht allerdings von der Meldepflicht für Handelsgeschäfte mit Finanzinstrumenten, die ab 3. Januar 2018 auch für Spot-Geschäfte im EU-Emissionshandel greift. Die LEI dient insbesondere der eindeutigen Identifikation bei der Erfüllung der Meldepflicht und muss vor Durchführung eines Handelsgeschäfts vorliegen. Weitere Informationen finden Sie auf der Website der Global Legal Entity Identifier Foundation (GLEIF).

    Quellen: GLEIF, FutureCamp

     

Ihr Ansprechpartner

Ralph SeefeldTelefon:0331 7495-383E-Mail: seefeld.ra@emb-gmbh.de