EMB Energie Mark Brandenburg GmbH

EMB-Infodienst 4|2016

CO2-Marktentwicklung

Im letzten Newsletter berichteten wir vom niedrigsten EUA-Schlusskurs seit 2013 (3,93 Euro/t am 5. September 2016). Diese Aussage ist weiterhin gültig, es deutet sich aber an, dass diese Marke bald getestet werden könnte. Dazwischen liegt ein Auf und Ab.
 
Nach dem o.g. Tiefkurs setzte ein Aufwärtstrend ein, der am 3. November 2016 im höchsten Kurs seit April 2016 gipfelte (6,50 Euro/t). Die Begründung fanden die Analysten in steigenden Strom- und Brennstoffpreisen und Wartungsarbeiten in französischen Atomkraftwerken. Bei der Begründung für den dann einsetzenden Preissturz taten sie sich ungleich schwerer, da viele Rahmendaten weiterhin auf einen leichten Aufwärtstrend oder zumindest eine Seitwärtsbewegung hindeuteten.
 
Seit dem Erreichen des Halbjahreshochs gab es durchaus einige markante Ereignisse. So fand die UN-Klimakonferenz statt, die Bevölkerung der USA hat einen Klimakritiker zum nächsten Präsidenten gewählt und Deutschland einen Klimaschutzplan verabschiedet. Die Diskussion, inwieweit sich diese Faktoren auf die CO2-Preisentwicklung auswirken, würde den Rahmen dieses Newsletters sprengen, der Einfluss auf den kurzfristigen Abwärtstrend darf aber zumindest bezweifelt werden.
 
Der EUA-Schlusskurs am 12. Dezember 2016 lag bei 4,87 Euro/t. Auch CER vollzogen seit längerem wieder eine erwähnenswerte Preisentwicklung, nämlich einen Rückgang und schlossen bei 0,30 Euro/t.
 
Alle im Text genannten Preisangaben beziehen sich auf Schlusskurse mit Liefertermin Dezember 2016.
Quellen: ICE, FutureCamp
 

EU-Emissionshandel nach 2020

Auf europäischer Ebene dauern die Verhandlungen über den Emissionshandel an. 2021 beginnt die vierte Phase des Systems, die bis 2030 laufen wird. Lange war auf eine deutsche Position gewartet worden. Inzwischen sind zumindest Teile davon klar. So soll der Anteil der kostenlosen Zuteilung am Gesamtbudget auf 45% steigen, wodurch sich die Auktionsmengen verknappen. Der Vorschlag der EU-Kommission sieht hier lediglich 43% vor.
 
Zudem sollen 400 Mio. Zertifikate aus dem Budget der 4. Handelsperiode für die Befüllung der Neuanlagenreserve verwendet werden. Auch hierdurch wird die Versteigerungsmenge knapper, da der Kommissionsvorschlag die Reserve aus Restmengen der laufenden Periode befüllen wollte. Diese sollen nun in die Marktstabilitätsreserve fließen, der Effekt ist eine Verknappung der Auktionsmenge.
 
Weitere Elemente der Position sind bislang nicht bekannt, lassen sich aber aus dem Klimaschutzplan 2050 ableiten. Darin wird eine stärkere Anpassung der kostenlosen Zuteilung an tatsächliche Produktionsniveaus gefordert. Zudem geht aus dem Dokument hervor, dass Benchmarks auf Basis realer Daten festgelegt und nicht, wie von der Kommission vorgeschlagen, pauschal abgesenkt werden. Die Carbon Leakage-Liste soll im fünfjährigen Turnus überprüft werden, die 10% der effizientesten Anlagen eines Sektors sollen 100% kostenlose Zuteilung erhalten.
 
Am 15. Dezember 2016 steht die Abstimmung im Umweltausschuss des Europaparlaments an.
Quellen: Europäische Kommission, Europäischer Rat, Europaparlament, FutureCamp
 

UN-Klimakonferenz in Marokko

Im November fand in Marrakesch die jährliche Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen statt. Sie war zugleich die erste Konferenz der Vertragsstaaten unter dem Pariser Klimaabkommen, das am 4. November 2016 in Kraft getreten ist. Möglich geworden war dies, weil die Ratifizierung besonders rasch verlief. Auch die USA, China und die EU haben das Abkommen bereits unterzeichnet.
 
Unter dem neuen Abkommen sind alle Staaten verpflichtet, sich Klimaziele zu setzen. Die nationalen Fortschritte müssen überprüfbar sein. Zudem müssen die Ziele alle fünf Jahre nachgeschärft werden. In Marrakesch ging es um die Fragen der Umsetzung. Im Kern standen dabei die Themen Umsetzung nationaler Klimaziele, Finanzhilfen für schwächere Länder und Transparenzregeln. Beschlossen wurde nun ein Umsetzungsfahrplan, ein Arbeitsprogramm zu einem Regelbuch soll bis 2018 abgearbeitet werden. 2018 soll es auch zu einer ersten Runde kommen, in der die Klimaziele überprüft werden. Bereits jetzt ist klar, dass die Ziele zu schwach sind, um die Klimaerwärmung, wie anvisiert, auf deutlich unter 2°C gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen.
 
Der Konferenzausgang wurde insgesamt positiv bewertet. Dazu trug auch bei, dass die Staatenwelt signalisierte, ungeachtet der Wahl Donald Trumps am Klimaschutz festhalten zu wollen. Trump hatte im Wahlkampf angekündigt, aus dem Pariser Abkommen aussteigen zu wollen. Inzwischen hat er diese Aussage aber relativiert.
Quellen: UNFCCC, ENB, FutureCamp

 

Deutscher Klimaschutzplan 2050

Nach monatelangem Streit hat die Bundesregierung am 14. November 2016 den Klimaschutzplan 2050 beschlossen. Mit dem Dokument soll der Weg in eine treibhausgasneutrale Gesellschaft vorgezeichnet werden. Bis zuletzt wurde um die Rolle der Braunkohle gerungen. Der erzielte Kompromiss sieht nun vor, zuerst regionale wirtschaftliche Perspektiven für die betroffenen Arbeitnehmer zu entwickeln, ehe aus der Braunkohle ausgestiegen wird.
 
Ein Herzstück des Plans sind die Sektorziele für 2030. Für die Energiewirtschaft ist eine Minderung der Emissionen gegenüber 1990 um 61-62% auf 175-183 Mio. t CO2e im Jahr 2030 vorgesehen. 2014 lag der Ist-Wert bei 358 Mio. t CO2e. Der Gebäudebereich soll 66-67% einsparen und dann auf 70-72 Mio. t CO2e kommen; im Verkehr sollen 40-42% reduziert werden, wodurch 2030  95-98 Mio. t CO2e verbleiben. Die Industrie soll 49-51% mindern und dann bei 140-143 Mio. t CO2e liegen, in der Landwirtschaft sind 31-34% Einsparungen geplant, womit 58-61 Mio. t CO2e verbleiben (alle Prozentangaben beziehen sich auf 1990).
 
Kommentatoren bewerteten das Ergebnis kritisch, weil konkrete Schritte zur Erreichung der Ziele fehlen.
Quellen: Bundesregierung, FutureCamp
 

Klimaschutzrichtlinien für die internationale Luftfahrt

Im Oktober hat die internationale Organisation für zivile Luftfahrt (ICAO) die Klimaschutzrichtlinien CORSIA (Carbon Offsetting and Reduction Scheme for International Aviation) für den internationalen, zivilen Luftverkehr beschlossen. Darin wurde u. a. das Ziel eines CO2-neutralen Wachstums ab 2020 festgehalten. Grundlage hierfür bilden die Jahre 2019 und 2020. Emissionen, die ab 2021 darüber liegen, müssen durch externe Emissionsminderungsprojekte (ähnlich CDM) ausgeglichen werden. Erfasst werden alle Flüge, deren Start- und Zielflughäfen in Teilnehmerländern liegen.
 
An der Pilotphase (2021-2023) werden bereits 66 Länder teilnehmen, darunter alle EU-Staaten, China und die USA. Daran schließt sich von 2024 bis 2026 die 1. Phase an. Die 2. Phase (2027-2035) soll dann verpflichtend für ca. 75 Länder sein. Alle weiteren Länder sind ausgenommen, da sie nur sehr geringe Luftverkehrsaktivitäten aufweisen. Sie müssen aber dennoch ihre Emissionen berichten.
 
Es ist zu erwarten, dass die EU nun darauf verzichtet, außereuropäische Flüge wieder in den EU-Emissionshandel aufzunehmen. Fraglich ist, wie in Zukunft internationale Flüge innerhalb der EU behandelt werden. Die Europäische Kommission will dafür bis Anfang 2018 einen Vorschlag vorlegen.
Quellen: ICAO, Deutsche Emissionshandelsstelle, FutureCamp

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