EMB Energie Mark Brandenburg GmbH

EMB Infodienst 2 | 2018

CO2-Marktentwicklung

Die CO2-Preise scheinen in diesem Jahr nur eine Richtung zu kennen. Lag der Jahresschlusskurs 2017 noch bei 8,18 Euro/t, so wurden im Mai 2018 bereits mehr als doppelt so hohe Preise erzielt. Der bisherige Höchstkurs lag bei 16,70 Euro/t am 5. Juni 2018 (intraday), was ein 7-Jahres-Hoch bedeutet. Der Schlusskurs am 11. Juni lag bei 15,49 Euro/t (alle Preise EUA Dec18).

Die beschlossenen Reformmaßnahmen scheinen bereits ihre Wirkung zu entfalten. Insbesondere die ab 2019 in die Angebotsmenge eingreifende Marktstabilitätsreserve (MSR, siehe separaten Artikel in diesem Newsletter) führt zu einer bereits jetzt antizipierten Wertsteigerung der EUA. Der Großteil der Analysten geht davon aus, dass viele Anleger in Hinblick darauf ihre Portfolien füllen.

Das weitere Aufwärts-Potential bis zum Ende dieses Jahres wird von den vielen Analysten mittlerweile als begrenzt angesehen bzw. einige erwarten gar einen zwischenzeitlichen Einbruch. 2019 und 2020 sollten die Preise ihrer Ansicht nach aber weiter steigen und Werte zwischen 15 und 25 Euro/t erreichen. Die Prognosen für 2025 liegen meist im Bereich 20-25 Euro/t, für 2030 bei 25-35 Euro/t. Einige Szenarien gehen allerdings auch schon von über 40 Euro/t insbesondere für die Mitte der Handelsperiode aus.

Quellen: Intercontinental Exchange, FutureCamp

 

Die Implementierung der ETS-Revision läuft

Mit der Verständigung auf die Revision der Emissionshandels-Richtlinie rücken nun die Umsetzungsschritte in den Fokus.
Für Anlagenbetreiber sind die Schritte bei der Zuteilung relevant: Im Oktober 2018 will die EU-Kommission die einheitlichen Zuteilungsregeln vorstellen, einen Entwurf dazu erwarten wir im Juni. Die Carbon-Leakage-Liste könnte Ende dieses Jahres beschlossen werden, ein Entwurf wurde bereits veröffentlicht (siehe separaten Artikel in diesem Newsletter).

Überarbeitungen stehen auch bei den Verordnungen zum Monitoring, zur Auktionierung und zum Register an. In der
ersten Jahreshälfte 2019 wird das Datenerhebungsverfahren laufen. Ein für viele Betreiber entscheidendes Datum wird
die Bekanntgabe der Verschärfung der Benchmarks sein: Die Daten hierzu sollen Ende September 2019 vorliegen, im
2. Quartal 2020 soll dann ihre Festlegung erfolgen. Im Anschluss daran kann die DEHSt die Liste mit den vorläufigen Zuteilungen je Anlage zur Übermittlung an die EU-Kommission fertigstellen – ein Entwurf liegt seit Anfang Juni vor.

Quelle: EU-Kommission, DEHSt, FutureCamp

 

Vorläufige Carbon-Leakage-Liste veröffentlicht

Die EU-Kommission hat im Mai 2018 die vorläufige Carbon-Leakage-Liste (CL-Liste) für die vierte Handelsperiode veröffentlicht. Die Liste zählt jene 44 Sektoren auf (bisher 153 Sektoren), von denen aufgrund ihrer Emissions- und Handelsintensität angenommen wird, einem erhöhten Abwanderungsrisiko durch den EU-Emissionshandel ausgesetzt zu sein. Diese Sektoren erhalten eine kostenlose Zuteilung auf Basis der festgelegten Benchmarks.

Eine Schärfung der Carbon-Leakage-Definition war eines der Ziele der ETS-Reform zur vierten Handelsperiode ab 2021. Sie ist jedoch weniger radikal, als es zunächst erscheint: Es sind im Wesentlichen Sektoren weggefallen, die hinsichtlich der Zuteilungsmengen keine oder nur eine sehr geringe Rolle spielen. Während einige Sektoren mit einer gewissen Bedeutung der Zuteilungsmengen den CL-Status verlieren (bspw. 0620 Erdgasförderung), kommen andere neu in den Genuss. Auch Industriegase (NACE 2011) bekommen nun als ganzer Sektor den CL-Status und müssen nicht mehr wie bisher über den Umweg der Teilsektoren gehen.

Die bis Ende dieses Jahres fertigzustellende CL-Liste soll bis 2030 gelten. Industriesektoren, die nicht auf dieser Liste stehen, müssen einen Abschlag von 70% auf die mithilfe der Benchmarks berechneten Zuteilungsmengen hinnehmen.

Quellen: EU-Kommission, FutureCamp

 

MSR: 2019 deutliche Verringerung der EUA-Auktionsmenge

Am 15. Mai 2018 veröffentlichte die Europäische Kommission die derzeit im Umlauf befindliche Zertifikatemenge. Diese beträgt 1.655 Mio. t und bildet die Grundlage für die Berechnung der im Rahmen der Marktstabilisierungsreserve (MSR) zu kürzenden Auktionsmenge.

In den ersten 8 Monaten des Jahres 2019 werden demnach 265 Mio. EUA weniger versteigert werden, als im Auktionskalender eigentlich vorgesehen wäre (eigentlich vorgesehen wäre die Versteigerung von ca. 940 Mio. EUA). Rechnet man die Menge von 265 Mio. auf das ganze Jahr hoch, so lautet die Jahresmenge ca. 400 Mio. EUA. So viel wird also voraussichtlich im Gesamtjahr 2019 weniger versteigert werden und stattdessen in die MSR fließen.

Diese Menge entspricht ziemlich genau der Menge, die bereits 2014 weniger versteigert wurde, damals im Rahmen des ersten Jahres der Umsetzung des sog. Backloading (die eigentlich vorgesehene Menge lag auch 2014 bei ca. 940 Mio. EUA). Der Preis stieg damals im Lauf des Jahres um etwas mehr als 2 Euro/t an. Die Kürzungsmenge für die letzten 4 Monate 2019 wird in einem Jahr festgelegt, zusammen mit der für die ersten 8 Monate des Jahres 2020.

Der Beschluss der ETS-Reform und damit auch der MSR führte in diesem Jahr bereits zu einer Verdopplung der EUA-Preise (siehe separaten Artikel in diesem Newsletter).

Quellen: EU-Kommission, FutureCamp

 

Leichter Anstieg der Emissionen im EU-ETS

2017 verzeichnete das Europäische Emissionshandelssystem (EU-ETS) mit seinen Kraftwerken, Industrieanlagen und dem Flugverkehr insgesamt einen Anstieg der Treibhausgasemissionen um 0,3% gegenüber dem Vorjahr. Betroffene Betreiber müssen ihre Emissionsdaten jeweils bis Ende März einreichen. Sie werden dann über das „European Union Transaction Log (EUTL)“ öffentlich zugänglich gemacht. Bei stationären Anlagen stieg die Emissionsmenge um 0,25% im Vergleich zu 2016. Der Flugverkehr verzeichnete einen Anstieg um 4,98%.

Die 1.830 stationären ETS-Anlagen in Deutschland emittierten 2017 3,4% weniger CO2 als noch im Jahr zuvor. Die Industrieemissionen stiegen dabei zwar um 2,1% an, dieser Anstieg wurde durch den Rückgang der Energieemissionen aber um 5,4% überkompensiert. Insgesamt stießen die deutschen ETS-Anlagen 2017 438 Mio. t CO2 aus. EU-weit lag dieser Wert bei 1.753 Mio. t (inkl. Island, Norwegen und Liechtenstein).

Bis zum 30. April jeden Jahres müssen die Unternehmen ihre verifizierten ETS-Emissionen mit Emissionszertifikaten bezahlen. Im Bereich der stationären Anlagen kam lediglich 1% der europäischen Betreiber, meist kleiner Anlagen, dieser EUA-Abgabepflicht nicht komplett nach.

Mehr dazu finden Sie im VET-Bericht 2017 der DEHSt.

Quellen: EU-Kommission, ICAP, FutureCamp, DEHSt

 

Ihr Ansprechpartner

Ralph SeefeldTelefon:0331 7495-383E-Mail: seefeld.ra@emb-gmbh.de