EMB Energie Mark Brandenburg GmbH

CO2-Marktentwicklung

Nachdem am 16. Februar 2016 mit 4,70 Euro/t der tiefste Schlusskurs seit Juli 2013 erreicht wurde, konnte sich der EUA-Preis seither wieder stabilisieren. Im April wurde zwischenzeitlich gar die 7-Euro-Marke durchbrochen, der seit Januar höchste Schlusskurs lag am 27. April 2016 bei 6,84 Euro/t. Am 10. Juni 2016 beendete der EUA-Dec16-Kontrakt den Handel bei 5,96 Euro/t. Entsprechende CER notierten bei 0,40 Euro/t.
 
Große Preissignale, die zumindest eine mittelfristige Wirkung entfaltet hätten, blieben im Zeitraum März bis Mai aus. Der zwischenzeitliche Preisanstieg kann zumindest zum Teil auf Eindeckungskäufe zurückgeführt werden. Im April sorgte zudem das ungewöhnliche kalte Wetter in Europa für eine höhere Nachfrage. Stabilere Energie- und Rohstoffpreise stützen derzeit sicher auch den CO2-Markt. Der Abschwung im Mai wiederum kam nicht zuletzt durch Gewinnmitnahmen zustande.
 
Alle im Text genannten Preisangaben beziehen sich (sofern nicht anders angegeben) auf Schlusskurse mit Liefertermin Dezember 2016.
Quellen: ICE, FutureCamp
 

Frankreich beschließt CO2-Mindestpreis ein und befürwortet Preiskorridor

Frankreich möchte ab dem 1. Januar 2017 einen nationalen Mindestpreis für CO2-Emissionen im Kraftwerksbereich einführen. Dadurch sollen 12 Mio. t CO2 eingespart werden, was der Hälfte der französischen Kraftwerksemissionen entspricht. Als Höhe des Mindestpreises werden derzeit 30 Euro/t diskutiert. Was mit den überschüssigen Zertifikaten geschehen soll, ist noch offen. Sollten diese an den Markt kommen, könnte der Mindestpreis gar zu einer EU-weiten CO2-Preissenkung führen. Details sollen im Herbst vorgelegt werden. Die Bundesregierung äußerte im April, sie verfolge und prüfe die Vorschläge, habe aber Vorbehalte gegen einen nationalen Mindestpreis.
 
Einen CO2-Mindestpreis gibt es bereits im Vereinigten Königreich. Dort müssen die Energieversorgungsunternehmen die Differenz zwischen Mindest- und Marktpreis entrichten.
 
Frankreich schlägt darüber hinaus vor, einen Korridor mit Mindest- und Höchstpreis für CO2 zu etablieren. Umgesetzt werden soll dies über veränderte Regeln für die Marktstabilisierungsreserve. Wäre der Preis am Markt zu hoch, würden zusätzliche Zertifikate aus der Reserve versteigert und umgekehrt. So könne der durchschnittliche Auktionspreis bis 2030 bei 30 Euro/t liegen. Dadurch will Frankreich den Unternehmen bei Investitionen in emissionsarme Technologien Planungssicherheit gewähren.
 
Die EU-Kommission möchte an der Marktstabilisierungsreserve in der beschlossenen Form festhalten und lehnt einen Preiskorridor ab.
Quellen: Tradenews Emissions, FutureCamp
 

VET-Bericht der DEHSt für 2015

Die 1.889 Anlagen, die in Deutschland dem EU-ETS unterliegen, emittierten im Jahr 2015 rund 456 Mio. t CO2e* und somit 1,2% weniger als 2014. Die Emissionen der Energieversorgung gingen dabei um 1,7% auf 332 Mio. t CO2e zurück, die der Industrie liegen seit 2013 relativ konstant bei 123 Mio. t CO2e. Den größten Anteil an den Industrieemissionen hat die Eisen- und Stahlindustrie mit 30%. Die Emissionen dieses Sektors stiegen im Jahresvergleich um 2,0% auf 37 Mio. t CO2e. Da die Rohstahlerzeugung im gleichen Zeitraum zurückging, weise dies auf eine Effizienzverschlechterung hin, so die DEHSt in ihrem VET-Bericht 2015 (VET: Verified Emissions Table).
Die Emissionen des gesamten EU-ETS gingen um 0,7% auf rund 1.800 Mio. t CO2e zurück. Damit ist seit 2005 ein Rückgang von 24,2% zu verzeichnen. Der Vergleichswert für Deutschland liegt bei 11,5%.
 
Erstmals seit 2009 ist damit auch der Zertifikatsüberschuss spürbar gesunken, als Gründe nennt die DEHSt das Backloading, die geringen verbliebenen CER-Nutzungsmöglichkeiten sowie die stabile Emissionsentwicklung 2015.
Quelle: DEHSt 
 
*CO2e: Die Treibhauswirkung der Treibhausgase (z.B. N2O, CH4) wird in CO2-Äquivalent (CO2e) umgerechnet, um sie mit der Treibhauswirkung von CO2 vergleichen zu können.
 
 

EU-Emissionshandel nach 2020

Auf EU-Ebene laufen derzeit die Verhandlungen über die Revision des Europäischen Emissionshandels für den Zeitraum 2021-2030. Nach einem gemeinsamen Beschluss der Staats- und Regierungschefs aus dem Jahr 2014 sollen die Emissionen der EU bis zum Jahr 2030 um 40% gegenüber 1990 gesenkt werden.
 
Der strittigste Punkt sind derzeit die Regeln zum Schutz der Industrie, um die Verlagerung von Emissionen ins Ausland, kurz: Carbon Leakage, zu verhindern. Dabei geht es besonders um die Gesamtmenge kostenlos zu vergebender Zertifikate, der Einstufung von Industriesektoren in Gefährdungsklassen, die Verschärfung der Benchmarks, nach denen die kostenlose Zuteilung bemessen wird sowie die Entlastung für indirekte, im Strompreis enthaltene CO2-Kosten. Zu diesen und weiteren Aspekten gibt es gegenwärtig eine große Anzahl an Vorschlägen. Dabei spielt auch das Thema von CO2-Mindestpreisen eine Rolle, das u.a. von der französischen Regierung befürwortet wird (siehe separaten Artikel in diesem Newsletter). Außerdem wird diskutiert, welche Auswirkung das Pariser Abkommen auf künftige Revisionen des Emissionshandels haben wird, insbesondere mit Blick auf die nach dem Abkommen alle 5 Jahre durchzuführende Überprüfung des Ambitionsniveaus.
 
Neben Carbon Leakage sind u.a. die Ausgestaltung eines Fonds zur Förderung Innovativer Technologien im Bereich Erneuerbarer Energien, der Industrie und bei Carbon Capture & Storage (CCS) Themen der Verhandlungen.
Quellen: Ian Duncan, FutureCamp
 

EuGH-Urteil zum Korrekturfaktor

Der Europäische Gerichtshof hat am 28. April 2016 das mit großem Interesse erwartete Urteil im Verfahren um die Festlegung des sektorübergreifenden Korrekturfaktors (CSCF: cross sectoral Correction Factor) veröffentlicht. Das Gericht erklärte die Festlegung des Korrekturfaktors für unwirksam. Der EU-Kommission wurde eine Frist von 10 Monaten für eine Neufestlegung des Korrekturfaktors gesetzt.
 
Diese Neufestlegung dürfte jedoch zu einer Verschärfung des Korrekturfaktors führen, und nicht, wie von der europäischen Industrie erhofft, zu einer Herabsetzung.
 
Derzeit ist allerdings noch unklar, welche Auswirkungen das Urteil konkret haben wird. Denn einerseits wird der verschärfte Korrekturfaktor aller Voraussicht nach zu einer Kürzung der kostenlosen Zuteilung führen, und zwar noch in der laufenden Handelsperiode. Doch diese Kürzung darf nicht rückwirkend erfolgen, stellte das Gericht klar. Mit der Frist bis 28. Februar 2017, die das Gericht der EU-Kommission für die Neufestlegung gesetzt hat, gilt es zudem als wenig wahrscheinlich, dass dies bereits Folgen für die kostenlose Zuteilung 2017 haben kann. Es geht also um die Jahre 2018 bis 2020.
 
Zum EuGH-Urteil hatte die DEHSt bereits am 4. Mai 2016 ein Mailing an alle deutschen Anlagenbetreiber versandt.
Quellen: DEHSt, FutureCamp
 
Redaktion
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